Ist Karate für die Selbstverteidigung tauglich?
Karate-Akademie Burgrieden=Die Kompetenz im Bereich der Selbstverteidigung
In fast allen Karate-Dojos in Deutschland wird Karate als Sport betrieben, zur Körperertüchtigung oder zum sportlichen Wettkampf. Die meisten Karateanfänger wollen Karate betreiben um sich verteidigen zu können. Jeder Karateka geht davon aus, dass die erlernten Techniken ausreichen um sich effektiv verteidigen zu können.
Aber praktizierte Karatetechniken unter Trainingsbedingungen wo man sogar Angriffe ansagt, unterscheiden sich ganz erheblich von einer realen Verteidigungssituation und ist somit nicht brauchbar. Es ist dabei sicherlich gut, dass viele nie in ein Verteidigungssituation kommen, sonst wäre die bittere Erkenntnis über das Versagen der eigenen Fähigkeiten gegeben.
Lerning by doing
Um sich zu wehren zu können bedarf es einer Strategie, um Karate Techniken überhaupt einsetzen zu können, Was nützt es wenn der Verteidiger, bereits nach dem ersten Angriff handlungsunfähig ist, trotz superschnellem Zuki. Zunächst muss erlernt werden wie eine Schutzhaltung funktioniert, die gegen vielerlei Angriffe als Universallösung anwendbar ist.
Es ist für eine Selbstverteidigungsfähigkeit weder notwendig noch zweckdienlich ein großes Technikrepertoire zu haben, welches dann unter der Hochstreßphase einer Verteidigungssituation sowieso nicht funktioniert.
Mentale Stärke und Handlungskompetenz
Wer zögert und verunsichert ist, zeigt dies ganz offen dem potenziellen Angreifer, dann bleibt nur noch die Flucht. Wer verteidigungsfähig sein will, muss unbewusst abwehren, ablenken, greifen und kontrollieren können. Dabei sollte auch immer die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.
Entwickeln eines Gefahrenradars
Defizite in der Wahrnehmung und Aufmerksamkeitssteuerung sowie kognitive Unzulänglichkeiten bei der Deutung von Verhaltensweisen eines potenziellen Angreifers führen zu gravierenden Selbsteinschätzungen. Um Angriffe zu verhindern bzw. zu bewältigen ist eine Verbesserung des eigenen Gefahrenradars vorausgesetzt. Diese ist eine mentale Grundhaltung, die es einem erlaubt, gelassen-entspannt und zugleich wachsam zu sein. Diese Grundhaltung erreicht man, indem man seine Sinne und Gedanken für die rechtzeitige und richtige Wahrnehmung und Deutung von Gefährdungssituationen schärft, gleichzeitig sich gegen Angst und Stressbelastung immunisiert und Handlungsmuster verwendet. Die Herausbildung eines Gefahrenradars, würde dann eine Eigenschaft produzieren, die man auch als Überlebensfähigkeit bezeichnen kann.
Dies bedeutet, dass viele Gefährdungssituationen in speziellen Rollenspielen trainiert werden müssen. Nur das Trainieren von Angriff und Verteidigung reicht hierbei bei weitem nicht aus.
Vorrausetzungen einer Selbstverteidigungsfähigkeit:
- stabiles Selbstwert- Selbstbewusstsein
- vorhandenes Gefahrenradar
- sicheres Verhalten und Körpersprache
- handeln im Rahmen der Verhältnismäßigkeit
- automatisierte Techniken
- Stressresistenz
Die Vorteile- und Nachteile des Karate:
Karate kann mehr vermitteln als reine Selbstverteidigung. Neben den Säulen der Kata und Kumite muss die Selbstverteidigung als eine wichtige Säule betrachtet werden, setzt aber dementsprechendes Wissen der Trainer voraus, was aber in vielen Karatedojos als nicht gegeben sein dürfte. Dieses Wissen ist definitiv auch bei vielen Dan-Prüfern nicht vorhanden. Was in den SV-Prüfungsteilen gut aussieht ist noch lange nicht im Anwendungsfall anwendbar. Wer aber SV ständig trainiert, schafft sich gute Voraussetzungen für den Ernstfall.
Wichtige Technikenformen:
- Schutzhaltung als Universallösung
- Ausweichen
- Ab- und Umlenken
- Distanzen einschätzen
- Gegner lesen
- Abwehr und Konter in einem
- Hebel- und Festlegetechniken
- Wissen um Vitalpunkte Kyushu
- Umwerftechniken - Gegner aus dem Gleichgewicht bringen
- Clinchabwehrtechniken
- Bodenkampftechniken
- Stockabwehrtechniken
Wichtige Schlagflächen:
- Ellbogen
- Knie
- Hand
- Faust
- Fingerknöchel (Ippon Ken)
- Fuß
„Flow Drill“ die fehlende Verbindung zur Selbstverteidigung?
Im Karate wird heutzutage viel über die Analyse (Bunkai) und Anwendung (Öyo) der traditionellen Formen (Kata) gesprochen. Durch eine gute Portion Kreativität; gute Absichten und entstehen oft Anwendungen; die spätestens bei der Umsetzung am Partner arg konstruiert wirken. Der Eindruck, dass eine Anwendung bewusst entworfen wurde, um den (vermeintlich starren) Vorgaben der Form zu entsprechen, drängt sich schnell auf. Entsprechend werden die „Bunkai-Anhänger" häufig von den eher kampforientierten Vertretern der Kunst belächelt und selten wirklich ernst genommen.
Dabei ist die grundlegende Fragestellung („Wie kriegen wir die Kata ins Kumite?") eigentlich gar nicht verkehrt. Zumeist mangelt es halt lediglich an der Umsetzung.
In anderen Kampfsystemen besteht dieses Problem meistens nicht. Entweder gibt es dort keinerlei festgelegte Solo-Formen (Kata, Hyong, Poomse etc.), wie etwa beim Muay Thai, Ringen oder Boxen, oder es existieren zu den jeweiligen Formen stets passende Anwendungen (wie etwa beim Wing Tsun oder Hung Gar).
Über den Tellerrand hinausschauen / Cross-Over-Training
Durch die wachsende Bedeutung des Internets und das zunehmende Cross-Over-Training vieler Kampfsportler werden Flow-Drills auch in der Karateszene zunehmend populärer. Mittlerweile integrieren auch mehrere Lehrgangstrainer Flow-Drills in ihren Unterricht. Bedauerlicherweise ist der Name Patrick McCarthy in diesem Zusammenhang eher selten zu hören. Dabei sind die meisten von ihnen (direkt oder indirekt) erst über McCarthy's Forschungen zu ihrem Wissen gekommen. Mit Sicherheit hat ein Patrick McCarthy Flow-Drills nicht erfunden und auch nicht jeder, der im Karate Flow-Drills übt, hat diese von Patrick McCarthy (oder seinen direkten Schülern) erlernt. Allerdings hat er sich international bereits für die Verbreitung derartiger Übungen im Karate eingesetzt, und dieses Konzept gegen vehemente Kritik verteidigt, als die meisten Karateka in Deutschland noch nicht einmal von dieser Übungsform gehört hatten.
Bedauerlicherweise scheint auch hier wieder einmal die alte japanische Weisheit "Sobald die Krankheit geheilt; ist der Arzt vergessen" zuzutreffen. Herausragende Leistungen anzuerkennen, bringt weit mehr ein, als es kostet.
Wer Anregungen sucht, welche Techniken aus dem Karate besonders geeignet sind, sollte einmal bei den Systemen des Krav Maga Einblick suchen oder sogar einen Kurs belegen. Es werden einfache Techniken vermittelt, welche sich auch im Karate wiederfinden lassen. Taktik, die richtige Handlungsweise bei Stress-Situationen und das Üben der passenden Reaktion stehen im Vordergrund. Auch Cross-Budo Lehrgänge oder Sparring mit einem Budo-Sportler aus einer anderen Stilrichtung vermitteln ein besseres Verständnis für die praktische Anwendung erlernter Techniken.
Realitätsnahes trainieren von Techniken
Hierzu ist zu sagen, dass Flow-Drills schon per Definition kein Sparring oder Sparring- Ersatz darstellen. Flow-Drills sind kampfvorbereitende Übungen mit dem erklärten Trainingsziel, Bewegungsabläufe zu automatisieren. Sparring ist hingegen von der Grundidee eher ein Kampfsubstitut. Der wesentliche Wert der Flow-Drills liegt u. a. in der Möglichkeit, auch starke und potentiell gefährliche Techniken realitätsnah am Partner üben zu können. Dies ist durch die Geisteshaltung des ‚Miteinander' speziell im unteren und mittleren Schülerbereich weit besser möglich; als durch das Sparring, wo der Grundtonus meist eher „gegeneinander“ ist. Dass der Partner mit zunehmender Entwicklung stets unkooperativer werden muss, ist aus Gründen des Realitätsbezugs unabdinglich. Eine kampfbezogene Grundeinstellung ist sozusagen die „conditio sine qua non“ eines effektiven Flow-Drill-Trainings. Ohne starke Techniken und realistische Distanzen verkommen Flow-Drills schnell zu einer schlichten Koordinationsübung.
Implementierung von Flow-Drills ins Training
Für alle Karateschüler und Lehrer, stellt sich nun die Frage, wie sich Flow-Drills sinnvoll ins alltägliche Training integrieren lassen. Zweifellos ist es möglich, einfach ein paar Drills aus dem Wing Tsun oder sonst woher zu übernehmen. Diese Praxis scheint ja momentan im Karate vielerorts generell Mode zu sein. Auch wenn dies für den durchschnittlichen Übenden vielleicht durchaus angenehm und lehrreich sein mag, hilft es beim Verständnis des Karates allerdings nicht wirklich weiter. Stattdessen sollte anders verfahren werden: Während sich manche Grundlagen-Drills unter Umständen problemlos übernehmen lassen („Ein Schlag ist immer ein Schlag"), müssen fortgeschrittene Flow-Drills unbedingt einen Bezug zu den stilspezifischen Formen aufweisen!
Verschiedenen Flow-Drills
Anmerkung: Jeder einzelne Flow-Drill sollte zunächst mit dem Schwerpunkt der richtigen Technikausführung ohne Druckbedingungen ausgeführt werden. Wenn der Drill auf einer Seite koordinativ erfasst worden ist, sollte man beidseitig üben lassen. Nach einem gewissen Fertigkeitsgrad können die Parameter wie Distanz, Geschwindigkeit und Störeinflüsse verändert werden. Ein wichtiger Aspekt stellt hierbei eine hohe Wiederholungszahl der Techniken dar, was letztlich zu den gewünschten Automatismen führt. Wenn alle Drills sitzen ist man in der Lage diese auch zu verknüpfen
Flow-Drill 1
Dieser Flow Drill ist als Einstieg gedacht. Beide Partner blocken sich gegenseitig mit dem rechten Arm (ähnlich wie Kakiwake Uke) wobei beide Unterarme von innen nach außen rotieren. Dabei kommt es zu einer leichten Verkeilung der Hände und einer taktilen Schulung der physischen Wahrnehmung. Die Arme bleiben hauptsächlich in einer 90 Grad Position. Nachdem der Bewegungsablauf beidseitig beherrscht wird, kann mit einer entsprechenden Beinarbeit ein zusätzlicher Reiz geschaffen werden.
Mit Armverkeilen und Kniestößen besteht die Möglichkeit aus diesem Flow-Drill einen komplexen Bewegungsablauf zu gestalten.
Flow-Drill 2 (Zuki, gerade Angriff)
Partner A greift rechts mit Gyaku- Zuki an; Partner B wehrt links mit Nagashi-Uke ab führt den rechten Arm mit Uke darunter und kontrolliert mit dem linken Arm. Nun folgt der gleiche Angreifer des Partner B. wenn die Technik sitzt Auslagenwechsel durchführen.
Flow-Drill 3 (Empi, Ellenbogentechniken)
Partner A greift links mit Mawashi-Empi Jodan an; Partner B blockt mit dem linken Unterarm; lenkt dann mit dem rechten Arm den Empi zur Innenseite ab und kontrolliert mit ebenfalls wieder mit dem linken Hand. Nun greift B gleichermaßen an. Anschließend erfolgt ein Wechsel der Auslage.
Flow-Drill 4 (Mawashi-Zuki, Schwinger)
Partner A greift rechts mit Schwinger an. Partner B blockt links mit Schutzhaltung (Shuto-Uke) lenkt mit der rechten Hand weiter und kontrolliert mit links. Nun greift B gleichermaßen an. Anschließend erfolgt ein Wechsel der Auslage.
Flow-Drill 5 (Uraken-Handrückenschläge oder Shuto-Uchi)
Partner A greift rechts mit Uraken Jodan an. Partner B blockt mit Nagashi-Uke auf Höhe des Ellenbogens ab und greift ebenfalls mit Uraken Jodan an. Der Seitenwechsel erfolgt direkt nach der Abwehr mit Nagashi-Uke.
Flow-Drill 6 (Ura-Zuki; Tiefschlag)
Dieser Flow-Drill ist ein Übungsablauf indem nur ein Partner beidseitig angreift. Partner A greift rechts mit Ura-Zuki an; Partner B geht in den Angreifer hinein; blockt links mit Shuto-Barai; kontert rechts mit Washite in die Kehlkopfgrube bzw. Teisho-Uchi zum Kopf führt; anschließend Armbeugehebel; Partner A wehrt sich und schlägt nach hinten mit Empi den B ablockt und nach vorne drückt. Partner A greift dann mit links an.
Zuletzt noch:
Viele Streitigkeiten lassen sich auch verbal lösen!!! Und wenn das nicht reicht besteht auch die Möglichkeit zur Flucht. Jeder verhinderte Kampf ist ein gewonnener Kampf
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